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Handlungskonzept zum nachhaltigen Wirtschaften im LK GR - Langf.

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Handlungskonzept zum nachhaltigen Wirtschaften im Landkreis Görlitz - Langfassung

Nachhaltiges

Nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz Das nachfolgende Kapitel diskutiert vor diesem Hintergrund, welche Handlungsfelder auf regionale Ebene im Kontext der Ausgangsbedingungen bestehen und welches Leitbild sich die Wirtschaftsförderung vor diesem Hintergrund geben sollte. 4. Entwicklungsziele und Handlungsfelder für ein nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz Wo liegen Ansätze für nachhaltiges Wirtschaften auf kommunaler Ebene und wie kann dieses von der regionalen Wirtschaftsförderung unterstützt werden? Eine Antwort hierauf liegt nahe, wenn man sich der Intention des Wortes nachhalten vergegenwärtigt. Laut Duden steht das Wort ursprünglich für längere Zeit anhalten, bleiben. Die englische Übersetzung sustain kann entsprechend auch mit aufrechterhalten übersetzt werden. Das dem zugrundeliegende lateinische Ursprungswort sustineo steht im Kontext mit Geschäfte/Pflichten für auf sich nehmen, übernehmen oder sich halten, standhalten, sich behaupten. Auch im forstwirtschaftlichen Ursprung hieß nachhaltiges Wirtschaften vor allem, im langfristigen Kontext zu denken und sich in der Gegenwart zu beschränken, um einen stetigen Ertrag für Zukunft zu sichern. Übertragen auf die regionale Wirtschaftsförderung sollte dies so gedeutet werden, sich nicht in gesinnungsethischen Aktionismus zu begeben, bei dem die sprichwörtlichen Schaufensterprojekte losgetreten werden oder man sich in einer Vielzahl an gut gemeinten Maßnahmen verzettelt, sondern verantwortungsethisches Handeln mit Blick auf langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg vor Ort zu verfolgen. Nachhaltiges Wirtschaften verlangt mit anderen Worten einen auf regionalen Ausgangsbedingungen und bestehenden Trends beruhenden strategischen Rahmen, aus dem glaubwürdige Entwicklungsziele und bedarfsgerechte Handlungsfelder abgeleitet werden, die es kontinuierlich über entsprechende Maßnahmen und Instrumente zu bearbeiten gilt. Die nachfolgenden Abschnitte versuchen hierauf eine Antwort zu geben, wenngleich aufgrund der begrenzten zeitlichen Ressourcen im Projekt kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht, sondern sich auf die wesentlichsten im Workshop und den Expertengesprächen genannten Punkte beschränkt werden musste. 4.1 Entwicklungsziele für ein nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz Als Basis für die Ableitung von Handlungsfeldern sollen Entwicklungsziele beschrieben werden, die mit Blick auf die regionalen Ausgangsbedingungen ein realistisches Leitbild skizzieren, in welche Richtung sich der Landkreis unter dem Primat einer nachhaltigen erfolgreichen Wirtschaftsentwicklung bewegen kann und sollte. Auf Grundlage der Leitziele werden im Folgenden Handlungsfelder abgeleitet, die wiederum die oben beschriebenen Trends und regionalen Ausgangsbasis aufnehmen und im Kontext mit den bestehenden Zielstellungen strategische Maßnahmen für eine effektive regionale Wirtschaftsförderung diskutieren. 32

Nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz Ausgehend von den Ergebnissen der SWOT verfolgen die Leitziele dabei die grundlegenden strategischen Fragestellungen: • Wie können bestehenden Stärken ausgebaut werden? • Wie können die sich ergebenden Chancen bestmöglich genutzt werden? • Wie lassen sich bestehende Defizite reduzieren? • Wie können die drohenden Risiken begrenzt werden? Stärken ausbauen – Chancen nutzen Das Wirtschaftswachstum im Landkreis wird nachhaltig verstetigt, indem Neuansiedlungen in die Region geholt werden, der bestehende Mittelstand und Neugründungen über zielgerichtete Angebote und Leistungen effektive Unterstützung finden sowie die Vernetzung zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen und außerregionalen Wachstumsfeldern und Partnern vorangetrieben wird. Maßgeblichen Anteil hieran hat eine deutliche Verbesserung der infrastrukturellen Ausgangsbedingungen im analogen und digitalen Bereich, die es den Unternehmen erlaubt, weiter zu wachsen und in die nachhaltige Weiterentwicklung ihrer Standorte zu investieren. Die Unternehmen der Region partizipieren an globalen Wachstumsfeldern, weil die infrastrukturellen Rahmenbedingungen optimiert und ausreichend Flächen für gewerbliche Erweiterungs- und Neuansiedlungen vorgehalten werden sowie ein investitions- und innovationsfreundliches Klima in Verwaltung und Bevölkerung herrscht. Zwar ist die Region kein Hochtechnologiestandort, der Mittelstand ist aber intensiv mit der Hochschule sowie regionalen und außerregionalen Instituten vernetzt und schafft es so, durch unternehmerisches Gespür, die Anwendung neuer Technologien sowie Investitionen in moderne Anlagen und kluge Köpfe, sich erfolgreich im Wettbewerb zu behaupten und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Der Landkreis bleibt ein lebenswerter und kostengünstiger Wohnstandort und baut seine Attraktivität weiter aus, indem die soziale und kulturelle Infrastruktur und eine dienstleistungsorientierte und bürgerfreundliche kommunale Verwaltung als Standortfaktoren verinnerlicht sowie eine adäquate infrastrukturelle Anbindung von Wohn- und Gewerbestandorten gewährleistet werden. Durch nachhaltige kommunale Angebote bei Kinderbetreuung, in Schulen sowie Versorgungs- und Verkehrslösungen ist die Region lebenswert und leidet nicht unter steigenden Lebenshaltungskosten. Hierdurch entwickelt sich nach und nach ein zukunftsweisendes, umweltfreundliches Image einer Region, in der man gerne beheimatet sein möchte. Defizite reduzieren – Risiken begrenzen Das Image der Region wird grundlegend verbessert, indem Stärken und Chancen vor Ort aktiver und über Stakeholder sowie eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie nach Innen und Außen getragen und dort als glaubhaft wahrgenommen werden. Eine wesentliche Säule dessen stellen erfolgreiche und verstärkt überregional wahrgenommene Nachhaltigkeitsprojekte sowie Geschichten über zufriedene Rückkehrer, Zuzügler und „Daheimgebliebene“ dar. Die sich daraus entwickelnde Eigendynamik verstärkt den positiven Eindruck, den man vom Leben in der Region gewonnen hat, weil man Freiräume für eigene Ideen nutzen kann, eine gute Infrastruktur mit bezahlbarem Wohnraum vorfindet und die Region ein zukunftsweisendes Narrativ verinnerlicht hat. 33