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Handlungskonzept zum nachhaltigen Wirtschaften im LK GR - Langf.

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Handlungskonzept zum nachhaltigen Wirtschaften im Landkreis Görlitz - Langfassung

Nachhaltiges

Nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz teil des Bergbau- und Versorgungssektors, der 46% der gesamten Bruttowertschöpfung im Produzierenden Gewerbe (ohne Bau) im Landkreis ausmacht 85 . Insofern droht infolge des Wegfalls bzw. des schleichenden Rückzugs dieser Branche in den kommenden Jahren ein Rückgang von Primäreinkommen über negative regionale Multiplikatoreffekte 86 die wirtschaftliche Entwicklung der Region dauerhaft zu bremsen, da keine adäquaten Einkommen für die Region erwirtschaftet werden können und damit auch die lokalen Wirtschaftszweige eine rückläufige Nachfrage verzeichnen. Dies spiegelt sich bspw. darin wider, dass ausscheidende Braunkohlebeschäftigte im unteren und mittleren Qualifikationsbereich lange Suchdauern verzeichnen und nur unter hohen Einkommensverlusten wieder in den Arbeitsmarkt finden 87 . Neben den reellen wirtschaftlichen Einbußen würde diese Entwicklung gerade auch das Image der Region fortdauernd belasten und schlussendlich die Gewinnung von Fachkräften in Wachstumsfeldern zusätzlich behindern. 3.5 Zusammenfassende SWOT und Spiegelbild zum Unternehmensurteil Abbildung 13: Zusammenfassende SWOT a) Stärken und Chancen b) Schwächen und Risiken Quelle: Dar. imreg (2019) 85 Vgl. Statistisches Landesamt 86 Vgl. North (1953). 87 Vgl. DIW, Wuppertal Institut & Ecologic (2018). 30

Nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis Görlitz Zusammenfassend steht der Landkreis Görlitz in den kommenden Jahren vor der Herausforderung, einen sich absehbar weiter intensivierenden Strukturwandel zu bewerkstelligen. Dabei bestehen vergleichsweise schwache Ausgangsbedingungen in zentralen Themen, wie der infrastrukturellen Situation und der arbeitsmarktungünstigen Demografie sowie eine firmen- und branchenseitig mit strukturellen Nachteilen verbundenen wirtschaftlichen Ausgangsbasis wie bspw. eine kleinteilige Zuliefererindustrie, die einem hohen Preisdruck ausgesetzt ist. Dies muss aber über zielgerichtete Maßnahmen gelingen, wenn die drohende Abwärtsspirale aus Strukturanpassungen, Imageproblemen und Demografie verhindert werden soll. Dass dies gelingen kann, zeigen die positiven Ansätze der vergangenen Jahre, wie die erfolgreichen Neuansiedlungen sowie eine insgesamt positive Weiterentwicklung mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten in der Industrie und bei Umweltschutzgütern aber auch in touristischen Bereichen. Daher fällt die Bewertung des Standortes durch ansässige Unternehmen auch besser aus als angesichts regionalwirtschaftlicher Kennziffern vermutet werden könnte. Fast die Hälfte der antwortenden Unternehmen gab dem Standort in einer Unternehmenserhebung im Jahr 2018 eine gute bis sehr gute Note. Ein weiteres Drittel äußerte sich zufriedenstellend. In Summe würden 84% der ansässigen Firmen den Standort grundsätzlich (zur Hälfte mit Einschränkungen) weiterempfehlen. Allerdings gab auch jedes fünfte Unternehmen dem Standort nur ausreichende oder mangelhafte Noten. Vor allem die Steuer- und Abgabenbelastung, die Situation bei der Infrastruktur und die Personalverfügbarkeit wurden kritisiert. 88 Diese Defizite müssen abgebaut werden, wenn die sich ergebende Chancen proaktiv genutzt werden sollen. Dies gilt gerade auch in Zeiten globalisierter Investitions- und Standortentscheidungen. Anderenfalls drohen der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und ein unzureichender Anschluss an die Wachstumsfelder, die oben beschriebene Abwärtsspirale anzuschieben. Als zentrale regionale Entwicklungsschwerpunkte wurden von den ansässigen Unternehmen folgerichtig eine breit gefasste Verbesserung der Verkehrsanbindung (21%) und der digitalen Infrastruktur (11%), eine unbürokratischere und besser kommunizierende öffentliche Verwaltung (13%) sowie verstärkte Anstrengungen bei der Imageverbesserung (11%) gesehen. Die Erwartungen an die regionale Wirtschaftsförderung betrafen dabei vor allem eine Unterstützung durch Fördermittel (63%) gefolgt von einer Imagewerbung für den Landkreis als Wirtschaftsstandort (47%) sowie Unterstützungsangebote bei der Suche nach Kooperationspartnern und Know-how-Trägern. 89 Die regionale Wirtschaftsförderung kann und muss mit anderen Worten durch das Setzen relevanter kommunaler Rahmenbedingungen bspw. bei wachstumsorientierten Infrastrukturmaßnahmen, einer guten und flexiblen Kinderbetreuung, einem effektiven Regionalmarketing – wozu auch eine Vermarktung von Hochschullandschaft und Innovationsaktivitäten der Unternehmen im Landkreis gehört – sowie einer leistungsfähigen, effizienten öffentlichen Verwaltung wichtige Impulse für die Attraktivität und nachhaltige Weiterentwicklung des Standortes geben. Entscheidend hierfür ist, richtige Schwerpunkte und realistische Zielstellungen in den Fokus zu nehmen und diese auf Basis einer langfristigen strategischen Ausrichtung auch dauerhaft und konsequent zu verfolgen. 88 Vgl. ENO (2018) 89 Vgl. ENO (2018) 31